Wunschkaiserschnitt schlecht geredet

Wenn Ideologie das Hirn besetzt, werden Nachrichten manipuliert. Ein Beispiel, das aufhorchen lässt: Am 2. Juli betitelte das Deutsche Ärzteblatt eine News so:

Studie: Etwas mehr Totgeburten und Eileiterschwangerschaften nach früherem Kaiserschnitt

Interessant daran ist, dass die Studie, die genannt wird, sehr schön zwischen Wunschkaiserschnitt und Notkaiserschnitt differenziert. Das Deutsche Ärzteblatt erwähnt dies aber nicht, sondern wirft alle Kaiserschnitte in einen Topf. Bei genauer Betrachtung schneidet vor allem der Wunschkaiserschnitt besser ab als alle anderen Geburtsvarianten.

Innerhalb der Untersuchung gab es 5 Kategorien: vaginale Spontangeburt, vaginal operative Entbindung mit Vakuum oder Zange, sekundäre Kaiserschnitte bei zunächst versuchter natürlicher Entbindung, primäre Kaiserschnitt (z.B. bei Beckenendlage oder anderen medizinischen Indikationen) und sogar Wunschkaiserschnitte. Untersucht wurde, wie hoch das Risiko für verschiedene Komplikationen in den nachfolgenden Schwangerschaften war:

Totgeburt:
- 0,23% nach vaginale Geburt
- 0,22% nach vag. OP
- 0,29% nach sek. KS
- 0,31% nach primärer KS

aber:
- 0,0% nach WKS

Fehlgeburt:
- 8,82% nach vaginaler Geburt
- 8,90% nach vag.OP
- 8,82% nach sek. KS
- 8,87% nach primärer KS

aber:
minus 4,52% nach WKS

Eileiterschwangerschaft:
- 1,42% nach vaginaler Geburt
- 1,25% nach vag. OP
- 1,54% nach sek. KS
- 1,68% nach primärer KS

aber:
- 0,83% nach WKS

Also schneiden in allen Bereichen die Wunschkaiserschnitte am besten ab. Das ist nicht verwunderlich, denn ein sekundärer Kaiserschnitt wird gemacht, wenn eine natürliche Geburt schief läuft, die Gefahr, dass hier der Blutverlust höher ist, oder an der Gebärmutter die Wundheilung schwieriger ist, so dass für die nachfolgende Schwangerschaft ungünstigere Bedingungen vorliegen, ist nachvollziehbar.

Verständlich ist ferner, dass bei einem elektiven Kaiserschnitt später die Komplikationen erhöht sein können. Denn ein elektiver KS wurde schließlich gemacht, weil es schon mal kompliziert war, etwa, wenn es Störungen bei der Plazentadurchblutung gab, oder nach künstlichen Befruchtungen. Das heißt: Wenn es pathologische Veränderungen gibt, die einen Kaiserschnitt notwendig machen, sind die auch für spätere Komplikationen verantwortlich.

Die Fehlgeburtsrate war nach Wunschkaiserschnitt sogar um mehr als 40% verringert! Anzumerken ist ferner, dass die Mütter, die einen Wunschkaiserschnitt wählten, im Schnitt wesentlich älter waren. Das ist eigentlich ein Grund für erhöhte Komplikationsraten und dennoch sind die Ergebnisse nach Wunschkaiserschnitt dann immer noch besser. 

Quellen:

Deutsches Ärzteblatt: News Medizin vom 2. Juli 2014 http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/59245/Studie-Etwas-mehr-Totgeburten-und-Eileiterschwangerschaften-nach-frueherem-Kaiserschnitt

O'Neill SM, et al: PLOS Medicine 2014;11(7):e1001670
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4077571/?report=reader#!po=20.3704