Je länger das Pressen, desto mehr Hämorrhoiden

Wer während der Geburt länger als 20 Minuten pressen muss, hat ein fast 30 mal so hohes Risiko, Hämorrhoiden zu entwickeln wie Schwangere, die nicht so lange Druck auf ihren Beckenboden ausüben. Das ist eine wichtige Botschaft, die aus einer Studie verschiedener Kliniken und Institute der Universität Vilnius in Litauen hervorgeht. Dort hat ein Team von Geburtshelfern und Spezialisten für rektale Operationen bei 280 Schwangeren ermittelt, wann sich Erkrankungen im Analbereich (meist Hämorrhoiden, aber auch Einrisse oder Fissuren) zeigten und wann das Risiko hierfür besonders hoch war.

Zu den Beschwerden, die die Frauen berichteten, zählten vor allem Schmerzen aller Ausprägungsgrade im Bereich des Darmausgangs, Juckreiz, Vorfall von Anusanteilen nach außen, Brennen, Schleimabsonderungen und Blutungen. In 61% der Fälle traten die Beschwerden im letzten Drittel der Schwangerschaft auf, 34,1% direkt nach der Geburt, davor und danach gab es nur wenige Fälle.

Besonders gefährdet waren nicht nur Frauen, die lange pressen mussten unter der Geburt, sondern auch jene, die bereits früher Beschwerden im Anusbereich hatten. Außerdem solche, die während der Schwangerschaft an Verstopfung litten und Schwangere, deren Kind mehr als 3800 Gramm bei der Geburt wog (18fach erhöhtes Risiko). Das ist besonders beachtenswert, denn das durchschnittliche Geburtsgewicht der Kinder lag ohnehin schon bei über 3500 Gramm: Mithin war schon der Durchschnitt der Kinder so schwer, dass sie fast an die "Gefährdungsgrenze" heranreichten.

Frauen, die zu perianalen Erkrankungen neigten, heißt es von Seiten der Wissenschaftler, sollten "schwierige Geburten" meiden. Das ist nicht sehr deutlich, man wüsste gern, wie das aussehen soll. In jedem Fall sollte dann, wenn das Kind absehbar schwer ist, mit dem Geburtshelfer besprochen werden, wie lange das Pressen in solch einem Fall hinausgezögert werden soll.

Quellen:

Poskus T, et al: British Journal of Obstetrics and Gynaecology 2014;121:1666-1671 http://dx.doi.org/10.1111/1471-0528.12840