Prolaps-Operation bei Gebärmuttervorfall - kein wirklicher Fortschritt in Sicht

Das Herausfallen der Gebärmutter aus dem Becken der Frau durch die Scheide nach außen ist die Extremvariante einer Prolapserkrankung. Es kann aber auch dazu kommen, dass das Absacken der Organe Druck ausübt, die Frauen haben oft die Empfindung, als säßen sie auf einem Ei. Solche Prolapserkrankungen sind außerdem häufig mit einer Blasenschwäche oder Inkontinenz verbunden. Das Risiko, an einem Prolaps zu erkranken, ist nach natürlicher Geburt fast verzehnfacht (1). Und die wirklich nicht gute Nachricht lautet, dass die Therapien schwierig sind und längst nicht immer alles wieder richten. Wie eine jüngste Untersuchung zeigt, bleibt es sich gleich, ob man den Beckenboden mit künstlichen Netzen oder biologischem Material verstärkt oder es bei der traditionellen Standardmethode belässt. Was aber auch heißt, dass die Standardmethode unbefriedigende Ergebnisse mit sich bringt - nur deshalb sucht man schließlich nach etwas Neuem. Verbesserungen sind jedoch nicht in Sicht.

Als Senkung (Descensus genitalis) wird ein Tiefertreten der Gebärmutter oder der Scheide bis an den Saum des Jungfernhäutchens (Hymen) am Ausgang der Scheide bezeichnet. Prolaps heißt es, wenn es zum Vorfall der Scheidenwand oder der Gebärmutter über diese Grenze (den Hymenalsaum) hinaus kommt (2). Es werden 4 Grade unterschieden

  • Grad I: Senkung (Descensus) innerhalb der Scheide
  • Grad II: Senkung erreicht den Scheideneingang
  • Grad III: Senkung reicht darüber hinaus
  • Grad IV: Totalprolaps

Die Häufigkeit für Senkung und Prolaps wird in einer schwedischen Studie bei Frauen zwischen 20 und 59 Jahren mit 31 % beziffert, bei Frauen zwischen 50 und 79 Jahren wird sie auf 41 % angegeben. Also betrifft es wirklich einen großen Teil aller Frauen. Das lebenslange Risiko deswegen oder wegen einer Inkontinenz operiert zu werden, beläuft sich auf 11–19 %, das Risiko für eine erneute Operation liegt bei 29 % (2). Schwangerschaft und Geburt sind ein wesentlicher Risikofaktor für die Entwicklung einer Harninkontinenz und eines Prolaps.

Zu den Beschwerden zählen

  • Druckgefühl im Scheidenbereich
  • Verstopfung
  • Blasenschwäche
  • Schmerzen (auch aufgrund von Reizungen und Entzündungen der Scheidenhaut, die dann ungeschützt Irritationen ausgesetzt ist)
  • Schmierblutungen

Festzuhalten ist, dass es sich um ein extrem häufiges Leiden handelt, das viele Frauen wirklich leiden lässt, das mit Tabus behafet ist und - für das es etliche Therapieempfehlungen gibt, was stutzig machen sollte. Konservativ gibt es nur Beckenbodengymnastik oder Pessare, was einfach heißt, man schiebt eine Art Stopfen in die Scheide. Danach kommen zahlreiche Operationsverfahren, die davon zeugen, dass man von einer befriedigenden Lösung weit entfernt ist. Das lässt sich daran ablesen, dass immer wieder neue Methoden ausprobiert werden und keine Einigkeit besteht, welche untersützenden Bänder z.B. die besten sind. Immer wieder werden Netze ins Spiel gebracht, die zwischen Scheide und Harnblase eingepflanzt werden und - so drücken es dann die Experten aus - die inneren weiblichen Geschlechtsorgane wie eine Hängematte halten.

Schottische Ärzte haben nun untersucht, ob entweder biologische oder künstliche Netze oder aber die Standardoperation besser ist, bei der das eigene Gewebe zur Fixierung genutzt wird (3). Die Netze waren nicht besser in puncto Lebensqualität oder Effektivität, aber eine von 10 Frauen berichtete über Netzkomplikationen. Also kein Gewinn, eher ein Schaden, wenn die Netze verwendet werden.

Warum sucht man überhaupt nach besseren Methoden? Weil, wie die Forscher schreiben, bekanntermaßen 30% nach einer Standard-Op wieder operiert werden, was vom letztlich nicht wirklich durchschlagenden Erfolg der üblichen Verfahren zeugt. Die Netze haben viele Kontroversen erzeugt, weil sie zum Teil mit Schmerzen einhergingen, besonders beim Geschlechtsverkehr, oder schlimmere Komplikationen hervorrifen, etwa durch die Wand der Scheide nach außen wanderten.

Die Ergebnisse geben in vielfacher Hinsicht zu denken. Egal welche Operation, zwei Jahre nach dem Eingriff berichteten immer noch deutlich mehr als 25 % der Frauen ein Viertel also, über faekale Inkontinenz, also darüber, Winde und Stuhl nicht halten zu können. Deutlich über 80 % hatten immer noch irgendeine mit Prolaps verbundene Beschwerde. Gut ein Drittel berichtete, immer noch ein Gefühl zu haben, "als käme irgendetwas runter". Setzt man dies in Relation zu den vielen Frauen, die über Senkung und Vorfall klagen, dann erkennt man, dass einer großen Zahl nicht wirklich geholfen werden kann. Über diese Konsequenzen einer Geburt müsste eigentlich jede Frau aufgeklärt werden.

Quellen:

1. Leijonhufvud A, et al.: Risks of stress urinary incontinence and pelvic organ prolapse surgery in relation to mode of childbirth. Am J Obstet Gynecol 2011;204:70e1-70e7. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21187196

2. Jundt K, et al.: Diagnostik und Therapie der weiblichen Beckenboden­dysfunktion. Deutsches Ärzteblatt 2015;112(33-34):564-573. https://www.aerzteblatt.de/archiv/171571/Diagnostik-und-Therapie-der-weiblichen-Beckenbodendysfunktion

3. Glazener CMA, et al.: Mesh, graft, or standard repair for women having primary transvaginal anterior or posterior compartment prolapse surgery: two parallel-group, multicentre, randomised, controlled trials (PROSPECT) The Lancet 2017;389:381-392  http://thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(16)31596-3/fulltext